Teil 3

Miraculum Habiti

Was das wohl war?

Ein Wunder, klar.

Das des Erscheinungsbildes gar!

Ganz klipp und klar kam Letzteres nah,

wie Sâmua am besten zu beschreiben war:

Eindeutig vermochte sie, eigentlich Uneinbares in sich zu einen.Unbeabsichtigt. Gleichsam von selbst.

Dass dieses Miraculum natürlich allen Neugeborenen einwohne, hieß es. Dadurch seien sie so unwiderstehlich, zauberhaft und wonnig, hieß es.

Da sie sich noch nicht verstellen, sondern echt sind und geschickt, Liebe zu mehren, wies es hin.

So bildete unser Mädchen aus Gegensätzen den Kreis einer rund laufenden Harmonie. Bunt gewürfelt traten Attribute neben- und ineinander auf. Zart und heftig, klein und kräftig, mutig und smart? Lieblich süß, fordernd hart?

Das begann mit dem schon reichlich vorhandenen schwarzen Haar. Drahten kringelige Borste wucherte und sollte sich später gegen jeden Bändigungsversuch sträuben. Nun, immerhin glänzte das Gekräusel – in Schwarzperlmutt! Dazu die schimmernde Samthaut, ein Schmuck!

Die Eltern waren froh. Doch auch darüber, die Niederkunft hinter sich zu haben. Sie bauten mit Inbrunst alle Freude aus, die schon seit den ersten untrüglichen Zeichen der Schwangerschaft wuchs und wucherte.

Wie leicht, ganz “Mama und Papa” zu sein. Trotz manch wacher Nacht. Sie kamen edlen Pflichten nach und Sâmua, die Winzige, erblühte. Trank Tauperlen Leben! Kostbarkeiten! Und war fürderhin kosbar und beschmusbar. Und bewundert.

So nahm ‘s nicht Wunder, dass…

das erquickliche Ereignis eilig Runde machte:

Ein wichtiges, richtiges, perlmuttsichtiges Buntkind“, kommentierte und gratulierte es von nah und fern. Denn in der ganzen waldumwülsteten Siedlung ging die Kunde um von der Ankunft des Kindes.

Mit zweifarbigen Augen sei‘s ausgestattet. Welche ganz genau von jedermann in Augenschein genommen wurden. Du liebe Zeit! Das sei nicht alltäglich!

Ozeantürkis sei das.

Getupft noch dazu.

Amethysten meliert!

Es flimmere, changiere, es irisiere die Iris. Und aus der Pupille sehe man eine Fackel flackern!

Wie ein irrwirres, winkendes Fanal in der Nacht.

Zum effektvollen Funkeln wie geschaffen. Das Baby übte das anscheinend schon, ach was, es konnte das!

Was alle in Bann zog. Ein Schaudern kroch darob quer durch die begutachtend besuchende Dorfschaft.

Dass das womöglich eine seltene Krankheit sei, wähnten die wohl Neidvollen.

Dass es ein allgemein übliches Wunder sei, erwogen die Wohlwollenden. Dass man das wahre Wunder aber zu verbergen suche, argwöhnten die, nach deren Auffassung der Wunderumfang zu gering geraten war.

Dass das sich vielleicht noch verlöre, und man das Kind erst mal wachsen lassen solle, rieten die Dorfältesten.

Und dass man sich sowieso noch wundern werde, meinten alle insgeheim.

Nicht ganz zu Unrecht.

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Fortsetzung folgt.

Teil 1 und 2 siehe unten.


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