Teil 2

Miraculum

Nachmittag war ‘s am nächsten Tag

und inmitten von Wehenbergen war die Mutter schön entkräftet, der Vater schön erschöpft, alle Wartenden schon ungehalten.

Was man davon nun halten solle, grimmelte es zu Dorfen.

Als ob das Kind allzeit drin bleiben wolle, “ grollbrummte die arme alte Hebamme vor sich hin. Nach der wiederholtesten aller wiederholten Untersuchungen an der armen jungen Niederkommenden.

Da kommt nichts!“

Dieses zaghafte Mademoisellchen ließ sich Muße:

Hei, da könnt Ihr lange warten! Ich bleib in meiner Grube, in meiner weichen Stube! Im Tempelherz, dem zarten. Und lass das Draußen.

Ich bleibe lieber, am liebsten bliebe … doch – WAS IST JETZT? Irgend etwas ist plötzlich anders, und etwas drängt und zieht mich jetzt, auweh, mit aller Kraft. Ob die Welt mich da zieht? Wohl schon! Ja, genau! Dieses Augenblickchen, das ist mein! Mein in sich unveränderlicher, unvergleichbarer Fingerabdruck auf der Weltoberfläche. Mein Zeitpunkt, um heraus zu kommen.“

So bequemte sich das Fräulein endlich, sich gebären zu lassen. Ohne Willkommens-Spektakel aus den Himmeln.

Dafür spektakelte es selbst, wie es sich gehörte, kaum auf der Welt, mit hellem, klarem Unüberhörbarem.

Fand es, scheint‘s, unerhört – so aus ihrer wohligen Wonne gerupft zu werden.

Nun ergoss sich schräg durch das Fenstereck Frühabendgold über das glanzfrische Gesichtchen des stolzen Schreihalses, erhaschte die Äuglein und legte Flammenirrnis hinein. Wundersam, selten zu sehen, wirr zittrig und blitzig.

Wenn es so hell ist, bin ich endgültig draußen, mittendrinnen in der Welt als deren Teil…“

Deren immer kräftiger krähender Teil, rebellierend, gierend.

Wo gibt‘s was zu essen? Wo gibt‘s Wärme? Mir viel zu kalt hier. Ich glaube, ich wollte doch nicht hinaus! – Gebt mich zurück. Wieder hinein, ich habe es mir anders überlegt! Gebt mich ihr meiner Hülle und meiner Höhle wieder!“

Vergebens. Keiner hat ein Ohr für solche Bitten.

Die verstehen mich gar nicht. Man kullert mich hin und her. Als ein Einzelstück. Abgeschnitten, entbunden vom Zuhause werde ich, und zum Ganzen in sich. Ein frisches Nochnichtganzaberschonfast-Selbst. Also gut, ich gebe mich Euch, ich bin da!“

Sâmua wurde und war der Name des Kleinstkindes der Jungeltern Myranda und Handa Nava, leib- und geisthaftig höchst lebhaft zugange und wohnhaft zu Bärlöblumünd, einem dorfgroßen Kleinststädtchen. Am jadefarbenen Fluss Neagaron und nahe dem linden Grünsee gelegen.

Sâmua hieß sie, wie nämlich schon bei der Empfängnis Kind samt Namen eingeschenkt wurde. Gebunden an die Gewissheit, dass Sâmua etwas Mystisches in und an sich tragen würde, das bis dato weniger bekannte >Miraculum Habiti<.

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Fortsetzung folgt. Anfang siehe unten.